Enger Eierbecher
Wüstes von Woody Allen mit ars bene agendi
TÜBINGEN (alb). Das waren noch desperate housewives! Die Mütter der Manolo-Püppchen stopften nicht ihre Schuhschränke voll, sondern räumten ihre Seelen ab. Sex in der City der guten alten Siebziger als eine einzige Gesprächstherapie - so überliefern es uns die bissigen Persiflagen Woody Allens.
Stoff für ars bene agendi, eine junge Theatergruppe von Studierenden der Rhetorik: Sie spielten am Dienstagabend Woody Allens „Central Park West". Die Heimat der Stadtneurotiker: Phyllis, ihre Freundin Carol und ihre Männer Sam und Howard. Die tragische Trottelrolle ist der Psychoanalytikerin Phyllis zugedacht: Sie merkt nichts - weder, dass Carol mit Sam rummacht noch Sam mit ihrer Patientin Juliet.
Als das alles rauskommt, fällt das Ehequartett übereinander her, mit Wurfgeschossen, Fäusten, einer Pistole - vor allem mit der vernichtenden Kraft des Wortes. Wie sagte doch Phyllis? „Rationalität ist ja ganz löblich, aber manchmal hilft auch ein Amoklauf."
Dem gibt Allen freie Bahn: Es ist
schon bemerkenswert, was ihm alles eingefallen ist für diese Dauer-Duelle im Niedermachen: „In seinen Augen waren Tränen? Ja, war ihm sein Eierbecher zu eng?" Ein dankbares Stück, um Lacher abzuholen, bei dem - manchmal pubertär-peinlichen - dirty talk und dem Wortwitz in fast jedem Dialog: „Die Sache mit dem Zahnarzt - buch das ab als eine Füllung außerhalb."
Schwieriger ist es schon, den Personen Leben jenseits des Klischees zu geben. Das ist der Preis für das Tempo, mit dem Allen den Plot vorantreibt, bis hin zu der grotesken Posse mit der Pistole. Die Theate-truppe macht auch gar nicht den Fehler, da zu viel hinein psychologisieren zu wollen, sondern spielt die Überspanntheiten des Stückes munter aus. Und das durchaus beachtlich
- so einfach sind die hitzigen Kaba-len schauspielerisch nämlich gar nicht zu handeln. Also: Bene egerunt
- gut haben sie es gemacht, die Leute von der Kunst, gut zu spielen.
Weitere Aufführungen: heute undmorgen, 20 Uhr, Theaterraum Brechtbau.