Cyrano de Bergerac Schwäbisches Tagblatt 14.12.2007

Soufflierte Liebe

Ars Bene Agendi mit Cyrano de Bergerac

Ohne seine allseits verspottete Nase wäre er vielleicht kein berühmter Dichter geworden: Mit geschliffenen Worten konnte Cyrano de Bergerac wettmachen, was ihm an gewinnendem Aussehen fehlte. Unglücklich war der Zeitgenosse von Molière in seine Cousine Roxane verliebt. Die aber hatte nur Augen für Christian de Neuville. Unter Neuvilles Namen schreibt Bergerac nun Liebesbriefe, souffliert beim nächtlichen Stelldichein. Zu spät erkennt Roxane, dass sie die ganze Zeit nicht Christian, sondern die Seele hinter den Briefen geliebt hat.
Die Brechtbau-Theatergruppe Ars bene agendi rückt Edmond de Rostands barockisierendes Versdrama von 1897 in ein hartes, grelles Licht. Die Figuren sind modern gebrochen: Bergerac trägt seinen Degen lässig unterm Trenchcoat. Für die rasanten Duellszenen nahmen die Darsteller Fechtunterricht (Fechtchoreographie: Ansgar Höckh und Christoph Noerr).
Sehenswert ist Trinh Lay als Roxane. Sie spielt die ganze Palette aus - vom aufgedreht ver-knallten Girlie über die zupackend Begehrende („Sie bieten saure Milch, ich will Sahne!") bis zur bitteren Ernüchterung unter echten Tränen: „Umsonst, alles umsonst!" Daniel Michalos verkörpert Cyrano glaubhaft als unglücklich verliebten Schöngeist. Allerdings konnte man seinen Text - ausgerechnet den sprachmächti­gen und wortgewaltigen Bergerac - oft kaum verstehen.Bei der Auffuhrung im vollbesetzten Brechtbau-Theater am Mittwoch punkteten zumal die kleineren Rollen: Moritz Keller als Aufreißer Neuville, der sich vor dem Kuss noch schnell mit Labello präparierte, ließ am Ende die Fassade des oberflächlichen Schönlings aufbrechen. Auf Ira Lehmann als Roxanes genervte Anstandsdame freute man sich immer schon und Regisseurin Kerstin Reichelt hatte einen kleinen, aber zugkräftigen Auftritt als gottergeben vor sich hin grinsender Mönch.

 

Aurélien Crida, Email vom 13.12.2007

Ich wollte nur sagen, dass es super war. Es hat meine Freunden gefallen, die die Geschichte nicht kanten, und ich auch, der den Text von Rostand sehr gut kenne, und den Film mit Depardieu mehrmals gesehen habe. Und am Ende konnte ich ein Paar Träne nicht zurückhalten.

Also nur zwei Worte : Bravo, und Danke.

Helge Karlitzky , Email vom 14.12.2007

Unsere Hochachtung für das treffliche Spiel in sehr guter Inzenierung. Ich habe das sehr genossen, denn Ihr habt dieses wunderschöne Stück so lebendig und einfühlsam gebracht, dass der Funke auf das Publikum übersprang, echte Spannung und auch echtes Mitfühlen spürbar wurden. Sehr gefallen hat mir die Multi-Kulti-Mischung der Truppe: Universitas pur.
Vermutlich werdet Ihr nach der letzten Vorstellung am Samstag mit den Kollegen feiern. Falls Ihr zu später Stunde doch noch den Weg aufs Haus (oder morgen in den Rebstock) findet, würde ich Euch gerne noch einmal gratulieren.

 

Text nach Mass


Minutenlanger Applaus für den Mann mit der langen Nase

Eine tolle Premiere feierte am Montagabend das Ensemble von „“Ars Bene Agendi“ mit Ihrem Stück Cyrano de Bergerac. Im BrechtBauTheater Tübingen spielten sich die Darsteller mit einer modernen Inszenierung der Tragikomödie die Herzen des begeisterten Publikums.

Unter der Regie von Kerstin Reichelt (Gefährliche Liebschaften) überzeugte Daniel Michalos in der Rolle des Cyrano. Eindrucksvoll spielte er den tragischen Helden, der davon überzeugt ist, dass ihn aufgrund seines Aussehens keine Frau je lieben könnte. Diesem Irrtum ein Leben lang verhaftet, hilft er dem zwar gut aussehenden, aber recht dümmlichen Christian (Moritz Keller), das Herz von seiner Cousine Roxane (toll gespielt von Trinh Lay) zu erobern. Obwohl er selbst unsterblich in sie verliebt ist. Denn schließlich sind es Cyranos Worte, die zum ersten Kuss zwischen den beiden führen. Den fiesen Part übernahm Alex Fatakhutdinov, der mit russischem Akzent einen französischen General in britischer Uniform überzeugend spielte.

Das Publikum wurde schon in den ersten Minuten in den Bahn dieser tragisch - romantischen Komödie gezogen. Der Clou waren die Kostüme und die Ausstattung. Denkt man bei Cyrano de Bergerac eigentlich an ein opulent ausgestattetes Bühnenbild aus dem 18.Jahrhunderts, so überraschte das Ensemble mit einer Ausstattung der TV Kultserie MASH und dem Kinohit „Good Morning Vietnam“ Passend dazu wurde auch Musik von The Doors und anderen Künstlern der 60er Jahre eingespielt.

   
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