Kneipentour und Katerfrühstück
Ars Bene Agendi mit einem Mini-Männer-Musical im Tübinger Brechtbautheater
TÜBINGEN (zie). Warum nicht weiter machen? Alles ist verkorkst, okay. Doch ist ein Happy End nicht trotzdem denkbar? Der deutsche Dramatiker Frank Pinkus sieht das so. „Why Not?" fragt er im Titel seines Mini-Musicals - warum denn nicht! Das Männer-Trio des Tübin-ger Studenten-Ensembles „Ars bene agendi" zeigt noch bis heute das Drei-Mann-Stück im Brechtbau-Theater. Motto der anderthalbstündigen Vorführung frei nach Bobby McFerrin: „Don't worry, be happy."
Die Ausgangssituation: Drei Selbstmord-Kandidaten treffen sich auf einer Brücke. Der schwule, stinkreiche und einsame Banker Marc, der verschüchterte Ex-Bauer Kay und der von seiner Frau verlassene Schauspieler Michael planen dasselbe: Den Sprung in den Tod. Der Einzelne ist zum Äußersten entschlossen, gemeinsam jedoch kneifen sie. Solch Schicksal schweißt zusammen. Also, Kneipentour, Kater-frühstück - und warum nicht eine Männer-WG aufziehen? Amüsante Verwicklungen kündigen sich an.
Eine Komödie über Verzweifelte, ein Musical der Loser? Es funktioniert. Leicht und ironisch kommen die Darsteller als verkappte Manns-bilder rüber. Allen voran Manuele Pilloni, der zugleich die Regie führt: Er spielt mit lasziver Körpersprache und keckem Witz den dennoch sensiblen, schwulen Marc, ohne zu überziehen. Hannes Hornbacher als Bauer Kay verpuppt sich überzeugend zum Playboy, wenn auch manchmal nicht klar wird, ob er den Unsicheren nur spielt oder selber ist. Zu Teilen bemüht und doch engagiert mimt Christopher O'Grady den Schauspieler Michael.
Die Leckerbissen des Abends sind die Gesangseinlagen: Immer wieder unterbricht das Spiel und die drei Protagonisten treten an zum Männerballett. Stimmlich sind die drei natürlich keine Offenbarung, perfekt darf so ein Chor der Looser auch gar nicht sein. Die Choreographien sind dafür einfach pfiffig. Die Dialoge zwischen den Songs plät-schern manchmal vor sich hin, kleine Kürzungen hätten mehr Zug gebracht. Der Text wirkt nicht platt, aber auch nicht unnötig tiefschürfend: Die Diskussionen um die Erotik von Brusthaaren und Sauberkeit im Männerhaushalt amüsieren wunderbar. Und wenn so ein leichter Theaterabend mit einem wohligen Happy-End endet - why not?
Letzte Vorführung heute von 20 Uhr im Brechtbau-Theater.